Ankündigung: Interview mit Jurek Szarf (*1933) anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27.Januar

Ankündigung: Interview mit Jurek Szarf (*1933) – anlässlich des diesjährigen Holocaust- Gedenktages am 27. Januar – mit Fragen der Eb (Geschichtsprofil)


Der Holocaust-Überlebende Jurek Szarf, der bereits mehrmals bei der von Frau Finke-Schaak ins Leben
gerufenen, jährlichen Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag zu Gast am OGT war (zuletzt im Jahr 2019),
wurde 1933 im polnischen Lodz geboren. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges (die deutsche Wehrmacht
war am 9. September 1939 in Lodz einmarschiert) wurde dort im Februar 1940 das Ghetto Łódź, eines der
größten im „Dritten Reich“, errichtet, in das auch der damals gerade einmal sechs Jahre alte Szarf und seine
Familie eingesperrt wurden.

Die dort festgehaltenen Juden mussten Zwangsarbeit leisten und wurden später
zum größten Teil in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. So erging es auch Szarf und seiner
Familie: Zusammen mit seiner Mutter und seiner Tante wurde er nach Auflösung des Ghettos 1944 zunächst
ins KZ-Frauenlager Ravensbrück (heutiges Fürstenberg/Havel in Brandenburg) verlegt und kam dann kurze
Zeit später in die zum KZ Sachsenhausen (Berlin) gehörige Außenstelle Königs Wusterhausen, wo er seinen
Vater und mehrere Onkel wiedertraf. Zusammen mit ihnen wurde er erneut verlegt, dieses Mal ins KZ
Sachsenhausen, das (die Rote Armee war nur noch wenige Kilometer entfernt) am 21. April 1945 von der SS
geräumt wurde. 33.000 der noch verbliebenen 36.000 Häftlinge wurden auf sog. „Todesmärsche“ gen
Nordwesten geschickt, die Tausende von ihnen, darunter auch zwei Onkel von Szarf, nicht überlebten. Szarf,
sein Vater und ein weiterer Onkel, die zu schwach gewesen waren, um das KZ zu verlassen, wurden kurz vor
Kriegsende schließlich von sowjetischen Truppen befreit und vor der Erschießung durch SS-Männer gerettet.
Zusammen mit anderen Gefangenen, u.a. aus dem Frauen-KZ Ravensbrück, wurden sie zunächst in zwei
Kasernen in Schwerin untergebracht.
Szarfs Mutter war – wie sein Vater etwas später herausfand – in den letzten Kriegstagen im KZ Königs
Wusterhausen verhungert, seine Tante hatte man (auf dem Weg ins KZ/Vernichtungslager Auschwitz-
Birkenau) einfach aus dem Zug geworfen. Auch sein Vater starb nur wenige Jahre nach Kriegsende an den
Folgen der KZ-Haft. Der zu diesem Zeitpunkt erst 17-jährige Szarf wanderte mit seinem Onkel 1951 in die
USA aus, kam aber zu Beginn der 1970er Jahre zurück nach Deutschland. Heute lebt Jurek Szarf in
Stockelsdorf und ist 87 Jahre alt – er ist damit einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die über ihre
Erlebnisse im KZ berichten können und dies auch tun: Seit 20 Jahren besucht Szarf Schulen und hält
Vorträge vor Jugendlichen – für sein Engagement und seinen „Kampf gegen das Vergessen“ wurde Herr
Szarf am 1. September 2020 durch Ministerpräsident Daniel Günther mit dem Bundesverdienstkreuz am
Bande ausgezeichnet.
Aufgrund der Corona-Pandemie kann der diesjährige internationale Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, der
im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den 60. Jahrestag der
Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt wurde, in Timmendorf und am OGT
nicht wie gewohnt begangen werden. Stellvertretend für die Fragen, die unsere Mitschüler:innen beim
Zeitzeugen-Vortrag sicher gern gestellt hätten, haben wir – die Klasse Eb, Geschichtsprofil von Frau
Weisbarth – ingesamt sechzehn Fragen an Herrn Szarf formuliert. Auf seine Antworten müssen wir
allerdings leider noch etwas warten: Da der Holocaust ein hochsensibles Thema ist und Herr Szarf uns
mitunter von traumatischen Erlebnissen berichten wird, haben wir uns in Absprache mit ihm dagegen
entschieden, ein telefonisches Interview zu führen. Stattdessen möchten wir noch etwas abwarten und
hoffen, dass die Pandemie-Lage es uns (oder zumindest unserer Lehrerin) bald erlaubt, Herrn Szarf
persönlich zu treffen. Bis dahin bitten wir euch / Sie um ein wenig Geduld und hoffen, dass ihr / Sie ebenso
gespannt auf Herrn Szarf Erzählungen seid / sind wie wir!
Eure / Ihre Klasse Eb